Susan Blackmore – Memes and Temes
Ich bin mir noch immer nicht sicher, was ich von der Memetik halten soll. Die Nähe zur Evolutionstheorie würde ich schon aus Alleinstellungsgründen nicht suchen wollen, weil man ja erwarten kann, dass dies angekreidet wird. Freilich rückte Richard Dawkins das Mem offensichtlich in die Nähe der Evolutionstheorie, jedoch loslösen konnte sich die Memetik aus dem ohne Frage überzeugenden Konzept der Evolutionstheorie nicht wirklich, um sich als eigenständige Diziplin zu etablieren. Kommunikative oder gar sozio-kulturelle Vorgänge daraus abzuleiten, kann aus heutiger Sicht eigentlich nur als gewagt bezeichnet werden. Ebenso ist das Naheliegenste eher einem Theorienarzissmus geschuldet, denn einem konsequent methodischen Vorgehen.
Und den Vorwurf an die Memetik der nicht-diskreten Einheiten halte ich aus geisteswissenschaftlicher Sicht nur dann für haltbar, wenn man eine strikte evolutionsbiologische oder gar naturwissenschaftliche Position für alle Bereiche der Philosophie einnähme. Meiner Meinung nach steht die Evolutionstheorie für sich unantastbar und sie mit sozialen oder kommunikativen Regionen zu vermengen, führt eher selten, sofern dies überhaupt möglich ist, zu wünschenswerten Ergebnissen. Gegen diese Vermengung oder besser Parallelisierung sprechen vor allem auch die temporalen Unterschiede ebenso wie die graduellen und saltatorischen Aspekte der Evolution, die man von nicht-diskreten Einheiten nicht derart erwarten kann.
Die Memetik aber losgelöst von den evolutionsbiologischen Implikationen zu betrachten, kann hilfreich sein; als ein Aspekt von Kommunikation beispielsweise, strikt abgekoppelt von der völlig unproduktiven Natur-Kultur-Differenz. Vielleicht erlaubt es eine solche Vorgehensweise, die Memetik derart zu fundieren, dass die esoterischen und rein unterhaltenden Implikationen, ebenso wie ihre theoretische Inkonsistenz, ins Leere laufen. Also müsste man die Memetik mit einem formalen Funktionsmodell kontrastieren. Denn wirklich Einzug gehalten hat der Begriff des Mems nur in Form der Internet-Meme – hier allerdings äußerst erfolgreich.
Wie auch immer: Hier jedenfalls ein fast schon clownesk-populärwissenschaftlicher Vortrag von Susan Blackmore zum Thema:



